bio3Dstores


Die bio3Dstores sind ein spekulatives Designprojekt basierend auf einem fiktionalen Szenario, das in dem Jahr 2126 spielt. Die Welt in dieser Zeit ist von der Klimakatastrophe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Stand der Forschung ist weit fortgeschritten und es gibt die Möglichkeit mithilfe von Bioprintern lebende Zellen zu drucken und diese auch zu nutzen. Ein Bioprinter ist ein 3D-Drucker, welcher regelmäßige Strukturen oder Gewebe aus zuvor gezüchteten einzelnen Zellen herstellen kann. Die Technik ermöglicht es auch ganze Organe oder Lebewesen zu drucken. Bioprinter werden zum Beispiel in der Medizin, der synthetischen Biologie und in der Lebensmittelindustrie
eingesetzt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Technik als Privatperson in bio3Dstores zu konsumieren.

Die bio3Dstores schaffen eine künstliche Umgebung in der halb lebende Wesen mit lebenden Zellen 3D gedruckt werden, in Inkubatoren aufgezogen und zum Weiterverkauf angeboten werden. Die Welt ist geprägt von einer Ungleichheit, da die kostenintensive Anschaffung der Artikel sich nicht jede Person leisten kann. Menschen, die es sich leisten können, profitieren von längerer Lebenszeit durch 3D gedruckte Organe, höheres soziales Ansehen, perfektionierte Schönheitsoperationen, praktische Alltagsbegleiter durch personalisierbare Haustiere und anderen Möglichkeiten.
Die Nutzbarkeit schafft gesamt Gesellschaftlich die Chance menschliches Leben zu verlängern, das Massensterben mit neu geschaffenen, den Umweltbedingungen angepassten Tieren auszugleichen und Ressourcen- und Lebensmittelknappheit entgegenzuwirken.

Das Projekt ist als eine Welt die sich zwischen Dystopie und Utopie bewegt zu verstehen. Der heutige Kapitalismus und die Warenwirtschaft wird überspitzt und die Frage stellt, wie weit Vermarktung gehen darf, wenn es um nicht menschliche Wesen geht. Dabei lässt die Darstellung reflektieren, wo unsere moralischen und ethischen Grenzen liegen. Die Perfektionierung aller Lebensbereiche auch auf Kosten anderer Lebewesen und der heutzutage herrschende Speziesismus wird durch die Kategorie pets infrage gestellt. Die Kategorie furniture behandelt die Beziehung Mensch und Objekt und wie weit die Liebe und Vermenschlichung von Objekten geht. Durch die verschiedenen Rubriken furniture, health, beauty, pets und creative werden unterschiedliche Fragen in Hinblick auf bioprinting Technologie aufgeworfen und dessen weitere Darstellung bewusst offen gelassen, um betrachtende selber zum Imaginieren zu bewegen. Wie sieht eine Welt aus, in der nicht lebende Gegenstände wie Hocker warm werden, eine Durchblutung bekommt und sich mit Gewebe und Knochen füllen? Grenzen von dem, was als lebendig und unlebendig wahrgenommen wird, verschwimmen.

und so einfach gehts:

Generiere online oder in einem unserem bio3Dstores vor Ort dein Lieblingsprodukt. Mithilfe unserer Algorithmen wird deine passende bio3Dink für dein Wunschprodukt zusammengestellt und ausgedruckt. Unsere Fachkräfte kümmern sich dann um dein Wunschergebnis mithilfe unserer extra entwickelten Inkubatoren. Unsere Inkubatoren stellen kontrollierte Verhältnisse her, in denen gezielte Wachstumsprozesse möglich werden. Alles für deine Zufriedenheit.

Credits Bilder: Paulina Floren

Inspiration Hocker Design: Bold stool von Big-Game, Moustache


Paulina Floren
SoSe 22
betreut von Marlies Wirth
Mehr über das Projekt
Science-Fiction-Prototyping

Das theoretische Seminar Science-Fiction-Prototyping nimmt Science-Fiction, speziell Climate Fiction, als Ausgangspunkt für die gestalterische Reflexion.

In gemeinsamen Diskussionsprozessen wurden unterschiedliche mögliche und unmögliche Szenarien erarbeitet, die auf unsere Welt im Wandel und die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft für alle Spezies Bezug nehmen.

Science-Fiction-Prototyping bezieht sich auf die Idee, Science-Fiction als Methode zur spekulativen Beschreibung und Erforschung der Auswirkungen von Technologie, Klimawandel und die dadurch veränderte Umwelt, Gesellschaftsstruktur und Politik auf unser Leben anzuwenden.

Mit dem Eintauchen in die fiktionalen Welten tauchen diese Welten auch in unser Bewusstsein ein und lassen uns eine neue Perspektive zum Jetzt einnehmen.

Mithilfe der spekulativen Szenarien wird die Gestaltung der Zukunft aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Protagonist:innen erzählt – von einer Roboterrevolution oder der Symbiose mit anderen Lebewesen, über Wohnen in Ozeanstädten oder der Besiedelung des Mars, bis hin zu 3D-Bioprinting oder die Arbeit als Care-Taker:innen für den Planeten Erde. Die entstandenen fiktionalen Szenarien und Erzählungen zeigen – utopisch und dystopisch – wie Design alles beeinflussen kann, wenn wir es nur wagen.

Mag. Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Leitung Sammlung Design, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien