Fachgebiete im Bachelor-Design-Studium
Basisklasse Design
Das Basisjahr im Studiengang Design vermittelt die zentralen gestalterischen, methodischen und technischen Grundlagen für das weitere Studium. Im Mittelpunkt stehen Entwurfsprojekte, in denen Kenntnisse zu Form, Funktion, Material und Kontext aufgebaut und in klar strukturierten Designprozessen angewendet werden.
Dazu gehören Techniken der Darstellung und Visualisierung, der Umgang mit analogen und digitalen Werkzeugen sowie Kenntnisse des Modellbaus und der Präsentation. Projektbegleitend werden in den 13 Studienwerkstätten der Kunsthochschule Kassel handwerkliche Fähigkeiten vermittelt; die Arbeit dort ist geprägt vom Einsatz verschiedenster Techniken und Werkstoffe, vom experimentellen Forschen an und mit Materialien sowie von der Realisierung eigener Entwürfe.
Ergänzend werden theoretische Perspektiven eingeführt, die gestalterische Entscheidungen begründen helfen und Design in historische, gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Zusammenhänge einordnen. So entsteht eine belastbare Basis für die weitere Vertiefung im Studium und die Entwicklung einer eigenständigen gestalterischen Haltung.
Die Basisklasse wird geleitet von Prof. Lutz Pankow und Dipl. Des. Natascha Burk
Industriedesign
Die Entwurfslehre im Industriedesign vermittelt die Grundlagen industrieller Gestaltung und zielt zugleich darauf, Zukunftsvisionen im Kontext komplexer gesellschaftlicher Veränderungsprozesse in konkrete, nachvollziehbare Konzepte zu übersetzen und prototypisch zu erproben. Im Fokus steht die Entwicklung eines Verständnisses dafür, wie Form kulturell wirkt und wie Gestaltung Alltag, Verhalten, Wertzuschreibungen und die gelebte Umwelt mitprägt.
Langlebige, tragfähige Produkte entstehen im Zusammenspiel von Funktion, Ästhetik, Strategie und verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen – einschließlich der Fragen, wie Produkte positioniert, weiterentwickelt und in reale Anwendungskontexte überführt werden.
Zentral sind Entwurf und Material. Dazu gehört, Materialien in ihren Eigenschaften und ihrer Haptik zu verstehen, sie experimentell einzusetzen, ästhetisch zu bearbeiten und ihre Veränderungen im Herstellungsprozess mitdenken zu können. Neben handwerklich-technischem Wissen werden Reflexions- und Erkenntnisprozesse gefördert: Industrielle Gestaltung wird als Teil sozialer, technologischer, politischer, wirtschaftlicher und ökologischer Zusammenhänge betrachtet, unter Einbezug gesellschaftlicher Bedürfnisse und Perspektiven aus Soziologie, Philosophie, Ökonomie, Nachhaltigkeit, Zukunfts- und Materialforschung.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit klassischen und experimentellen Entwurfsprozessen. Dabei werden eigene Methoden, eine präzise konzeptuelle Sprache und individuelle Herangehensweisen entwickelt, die den gesamten Gestaltungsprozess tragen. Ideen werden nicht nur formuliert, sondern in unterschiedlichen Medien erprobt und vermittelbar gemacht – als Skizzen, Modelle, digitale Simulationen, Filme oder Texte; ebenso können funktionale Produkte so wie Services oder Systeme Gegenstand der Arbeit sein.
Produktion wird dabei als komplexer, interdisziplinärer und kommunikativer Prozess verstanden – im Spannungsfeld von Technologie, künstlerischem Anspruch, Nutzerbedürfnissen, Marktlogiken und Nachhaltigkeit. Entsprechend werden Kompetenzen aufgebaut, um mit unterschiedlichen Akteur:innen (z. B. Unternehmen, Ingenieuren und anderen Nutzergruppen) zusammenzuarbeiten und Gestaltung nachvollziehbar zu vermitteln. Kooperationen mit der Industrie werden als Teil dieser Umsetzungspraxis gezielt gesucht und gefördert.
Das Fachgebiet wird geleitet von Prof. Oliver Vogt und Dipl. Des. Milan Stein
Möbeldesign / Ausstellungsdesign
Die Entwurfslehre vermittelt praxisnahe Kompetenzen im dreidimensionalen Gestalten von Möbeln und Ausstellungen. Sie schärft das Bewusstsein für kulturelle, historische und psychologische Wirkungen von Objekten und Räumen.
Besonders relevant sind gesellschaftliche Verschiebungen: Angesichts klimatischer Veränderungen, politischer Umwälzungen, Neubewertung des Mensch-Natur-Verhältnisses sowie KI-getriebener technischer Innovationen. Student*innen lernen, als Seismografen gesellschaftlichen Wandels zukunftsweisende Entwürfe zu entwickeln.
Entstehung eigenständiger Entwürfe
Kernstück ist das „Dritte“ – ein Entwurf, der über persönliche oder lehrenden Intentionen hinausgeht. Er integriert historische Einflüsse (z. B. Funktionalismus) oder handwerkliche Techniken ebenso wie aktuelle Herausforderungen: nachhaltige Materialien und digitale Formfindung. Der Prozess beginnt bei kleinformatigen dreidimensionalen Skizzen und führt zu 1:1-Prototypen sowie Raumfragmenten.
Der Entwurfsprozess im Detail
Entwerfen ist ein offener, zyklischer Dialog mit Form, Material und Raum. Erste Ideen – gespeist aus einer theoretischen Auseinandersetzung mit Design-, Ausstellungs- und Gesellschaftsgeschichte – werden mit vielfältigen Mitteln umgesetzt: zeichnerisch, fotografisch, plastisch, analog und digital. Wichtig bleibt das haptische Erleben durch konkrete Materialarbeiten, um virtuelle Tools zu ergänzen. Fotografie und zeichnerische/bildnerische Vermittlung helfen, Distanz einzunehmen und neu zu bewerten. Unerwartete „Unfälle“ dienen als kreative Impulse und öffnen neue Perspektiven.
Werkstattbasierte Umsetzung und Reflexion
In spezialisierten Werkstätten (Holz, Metall, Keramik, Modellbau, digital) und Projekträumen wechseln Konkretisierung und Überprüfung. Virtuelle Entwürfe werden regelmäßig mit realen Materialien konfrontiert, um historisch, gesellschaftlich und ökologisch fundierte Qualitäten zu untersuchen.
Das Fachgebiet wird geleitet von Prof. Jakob Gebert und Dipl. Des.
Marie Radke
Design textiler Produkte
Im Studienbereich Design textiler Produkte wird Gestaltungskompetenz im Umgang mit Materialien und Techniken zur Entwicklung von textilen Produkten und deren funktionale und ästhetische, insbesondere im räumlichen Kontext vermittelt. Dabei wird vorwiegend projektbezogen gearbeitet. In den Werkstätten werden zudem die nötigen technischen Grundlagen vermittelt.
Mittels Forschung und praktischer Tätigkeit werden eigene Wege entwickelt, um an Problemstellungen herangehen zu können und dadurch Entwicklungs- und Entscheidungskompetenz erlangen, welche zu eigenständigen Problemlösungen führt. Dabei soll mit Material experimentiert werden, Konventionelles in Frage gestellt, aber auch Traditionelles wiederentdeckt und spielerisch weiterentwickelt werden.
Der Begriff „textile Produkte“ wird dabei ausdrücklich nicht auf dekorative oder „schön verzierte Flachware“ reduziert, sondern als ein vielschichtiges, interdisziplinäres Gestaltungsfeld verstanden. Textile Gestaltung umfasst räumliche, funktionale, technische und gesellschaftliche Dimensionen und wird anhand konkreter Aufgabenstellungen, fachübergreifender Projekte sowie im Teamwork erfahrbar gemacht.
Ein wesentlicher Bestandteil des Studienbereichs ist die praxisnahe Lehre, die sich in regelmäßigen Semesterprojekten mit externen Partnern widerspiegelt. Dazu zählen Kooperationen mit renommierten Unternehmen und Museen, etwa mit der Firma Thonet als international bekanntem Möbelhersteller oder eine Zusammenarbeit im Bereich Sitzmöbel mit der Die Neue Sammlung – The Design Museum, einem der größten Designmuseen der Welt. Darüber hinaus bestehen lokale Kooperationen, unter anderem mit den Kasseler Verkehrsbetrieben sowie mit der Basketballmannschaft BG Göttingen.
Diese Projekte ermöglichen es den Studierenden, ihre gestalterischen Konzepte in realen Kontexten zu erproben, Einblicke in professionelle Arbeits- und Produktionsprozesse zu gewinnen und sich frühzeitig Erfahrungen an der Schnittstelle von Entwurf, Umsetzung und Öffentlichkeit zu sammeln.
Das Fachgebiet wird geleitet durch
Prof. Ayzit Bostan und Dipl. Des.
Sandra Spoo
Theorie und Praxis der Gestaltung
Das Fachgebiet widmet sich in Lehre und Forschung den Theorien und Praktiken der (angewandten) Gestaltung. Die thematische Fokussierung vertieft dabei folgende Schwerpunkte:
Lehre
Im Zentrum der Lehre steht die theoretische Reflexion der Gestaltungspraxis. Zu diesem Zweck integriert das Lehrangebot Ansätze aus ästhetischer Theorie, Kultur- und Kunstwissenschaften, Soziologie und Philosophie. In Vorlesungen, Seminaren, Kolloquien und betreuten Einzelvorhaben werden Gestaltungsphänomene in kulturelle, soziale und politische Bezüge gestellt. Die Studierenden lernen, unterschiedliche methodische Zugänge anzuwenden, und sie setzen sich mit Geschichte, Gegenwart und möglicher Zukunft des Designs auseinander. Ein thematischer Fokus liegt dabei auf dem Zusammenspiel technologischer, ideologischer und ästhetischer Entwicklungen. So wird neben Kenntnissen und Fertigkeiten eine kritische Perspektive eingeübt, die sich belastbar begründen und zu somit auch verteidigen lässt.
Forschung
In seinen Forschungsarbeiten setzt das Fachgebiet eine breite Auslegung des Designs voraus. Es untersucht Gestaltungspraktiken unterschiedlicher Formen und Formate und deutet sie in ihren jeweiligen Funktionen: Beginnend bei Gebrauchs- und Warengütern über ästhetische Eingriffe in Körper und Räume bis hin zur Gestaltung digitaler Kulturen. Jeweils geht es darum, Design als Versuch zu verstehen, Interessen zu wecken, Ansprüche geltend zu machen und Identitäten auszuhandeln. Ein methodisches Anliegen des Fachgebiets ist es daher, Design auf seine gesellschaftlichen Voraussetzungen und politischen Bedingungen zu prüfen. So sollen essentialistische Zuschreibungen entkräftet und die Kontexte des Designs erschlossen werden.
Das Fachgebiet wird geleitet von Prof. Dr. Daniel Hornuff und
M.Sc. Mats Werchohlad
Nachhaltige Produktgestaltung und -entwicklung
Das Fachgebiet widmet sich in Lehre und Forschung der Generierung und Reflexion von Designwissen in Relation zu Fragen der Nachhaltigkeit. Ziel ist es, der Designdisziplin die Reflexion von ökologischen und sozialen Konsequenzen ihres Handelns als Designnachhaltigkeit einzuschreiben und alternative Nutzungsszenarien für gestaltete Umwelten anzubieten.
Lehre: Im Fokus der Lehre steht, den Studierenden in der praktischen Anwendung Methoden der Reflexion und Werkzeuge der kritischen oder/und theoriegeleiteten Auseinandersetzung nahezubringen. Grundlage des Lehrverständnisses ist es, entwerferische Praktiken als Wissenspraktiken anzuerkennen. Zur Vermittlung einer Designnachhaltigkeit folgt die Lehre des Fachgebiets dem Kreislauf Perception (Erkennen) – Action (Handeln) – Reflection (Reflektieren) und bettet diesen in verschiedenste (Alltags-) Praktiken (z. B. Wegwerfen) als Maßstab der Auseinandersetzung ein. In kompakten Seminaren und Veranstaltung soll so ein Verständnis von Nachhaltigkeit, im Sinne einer ökologischen und sozialen Verantwortung der Gestaltung, für Studierende individuell greifbar und für die professionelle Praxis übertragbar gemacht werden.
Forschung: Aktuelle Forschung und Diskussionen zu den Themen der SDGs, insbesondere aus den Discard Studies, der sozial-ökologischen Forschung sowie der Designtheorie der Dinge bilden das Geflecht, in welchem das Fachgebiet Forschung durchführt. Dabei verfolgt es die Ansätze der Designforschung und nutzt Gestaltung selbst um Wissen zu erzeugen (Research through Design).
Die Forschungsinteressen umfassen u. a. die Frage, wie die Gestaltung von Bildung (Didaktik) den Ansprüchen einer Designnachhaltigkeit gerecht werden kann und welche Werkzeuge und Designs von Bildung die aktuelle Problemlandschaft reflektieren und mit Lösungsoptionen versehen können;
Praktiken-basiertes Design, dessen Theoretisierung und Nutzbarmachung im Rahmen sozial-ökologischer Forschung, insbesondere im Kontext der Konsumforschung;
Rituale des Verschwindens in physischen und digitalen Umwelten sowie Design from Discard.
Kassel Institute for Sustainability (KIS)
Als Mitglied und Querschnittsdisziplin baut das Fachgebiet, insbesondere am Kassel Institute der Universität Kassel, eine Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften im Kontext Nachhaltigkeit, indem es neue Wege (Methoden, Perspektiven und Objekte) anbietet, sich den Problemfeldern der SDGs zu nähern und Erkenntnisse zu generieren und zu interpretieren. In der Lehre des Instituts ist das Fachgebiet an studiengangsübergreifenden Angeboten (Schwerpunkt „Critical Sustainability in Art and Design“) beteiligt. Darüber hinaus wird das Projekt „Transformatives Lehren und Lernen zu Nachhaltigkeit“ (TORCH 2025–2031), welches das projektbasierte Lernen für Nachhaltigkeit ausgestaltet, gemeinsam mit der Kernprofessur Human-Envirnoment-Interactions vom Fachgebiet Nachhaltige Produktgestaltung im KIS gesteuert.
SDG+ Lab Experimentale „Transformationen in Arbeit und Wirtschaften“ (2025–2027)
Gemeinsam mit dem Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung (Prof. Dr. Anna Growe) leitet das Fachgebiet die Experimentale im Themenjahr „Transformationen in Arbeit und Wirtschaften“ des SDG+ Labs der Universität Kassel. Das SDG+ Lab ist ein Labor für Nachhaltigkeitsfragen und Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, entwickelt von UniKasselTransfer. Das Projekt wird finanziert aus der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“. Die Schwerpunkte des 3. Themenjahrs sind: Transformationen von Produktion, Arbeit und Wertschöpfung in der Stadt Kassel und der Region Nordhessen. Eine Spannbreite von dezentralen, sozial-inklusiven und alternativen Ansätzen für eine nachhaltige und zirkuläre Wirtschaft soll für größere Teile der Bevölkerung Nordhessens beleuchtet, erfahrbar und zugänglich gemacht werden.
BIOLAB
Das BIOLAB ist eine Arbeits- und Forschungsumgebung, die Studierenden der Kunsthochschule Kassel und der Universität Kassel die Möglichkeit bietet, sich gestalterisch, künstlerisch und wissenschaftlich mit lebenden Organismen, vornehmlich Pilzkulturen, auseinanderzusetzen. Das BIOLAB fokussiert die Schnittstelle zwischen Design und Biologie. Unter Leitung des Fachgebiets Nachhaltige Produktgestaltung und -entwicklung und gemeinsam mit Partner*innen aus dem wachsenden Netzwerk bietet es transdisziplinäre Lehr-Lernveranstaltungen sowie eine Plattform zum fachlichen Austausch an. Es finden Workshops und Vorträge statt und außerdem können praxisorientierte Projekte nach Absprache direkt im Lab durchgeführt werden.
Das BIOLAB der Kunsthochschule Kassel ist Initiatorin und Mitglied des Netzwerks und der Special Interest Group der dgtf „Biolabs an Kunst- und Designhochschulen“.
Das Fachgebiet wird geleitet von Prof. Dr. Susanne Ritzmann. Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen im Team sind:
Katharina Mludek, Dipl. Des. Nadja Nolte als Leiterin des BIOLAB,
Dipl. Des. Saalmann, Dipl. Des Fabienne Rako und als
studentische Hilfskraft im BIOLAB Alisa Röring
Designmanagement
Im Bereich Designmanagement lernen Studierende, wie Gestaltung in der Berufspraxis in strategische, organisatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen eingebettet ist. Im Fokus steht das Verständnis dafür, wie Gestaltungsprojekte von der ersten Idee über Planung, Entwicklung und Abstimmung bis hin zu Vermarktung und Vertrieb geführt werden können – inklusive der Zusammenarbeit mit Auftraggeber:innen, Hersteller:innen und interdisziplinären Teams.
In Seminaren werden zentrale Themen wie Marktbetrachtung und Unternehmensstrategien, Markenidentitäten und Markenführung, Führungs- und Organisationsformen, Prozessplanung (agil und klassisch), Produktlebenszyklus und Kollektionsmanagement sowie Geschäftsmodelle und deren Transformation durch Digitalisierung behandelt. Ergänzend werden praxisrelevante Kompetenzen zu Briefing und Rebriefing, Entscheidungsprozessen, Teamaufbau und Projektsteuerung sowie zu Kostenkalkulation, internen und externen Budgets und der Erstellung von Angeboten und Kostenvoranschlägen vermittelt.
Die Inhalte werden in anwendungsorientierten Aufgabenformaten erarbeitet und regelmäßig präsentiert und diskutiert. Der Praxisbezug wird zusätzlich durch den Austausch mit Expert:innen und Führungspersonen aus Designstudios, Agenturen sowie aus designorientierten Unternehmen gestärkt.
So entsteht ein realistisches Bild aktueller Berufsfelder und ein solides Verständnis dafür, wie Designentscheidungen unter realen Bedingungen verantwortungsvoll und wirkungsvoll getroffen werden.
Das Fachgebiet wird vertreten von der Honorarprofessorin Dipl. Des. Annette Bertsch
Lucius & Annemarie Burckhardt Professur
Die Professur beschäftigt sich insbesondere mit dem Werk von Lucius Burckhardt (1925–2003), der zusammen mit Annemarie Burckhardt (1930–2012) von 1972–1997 an der Universität Kassel im Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung forschte und lehrte. Lucius Burckhardt setzte sich seit Anfang der 1950er Jahre sehr umfangreich mit Fragen der Gestaltung unserer Umwelt auseinander und bewegte sich zwischen den Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsgestaltung, Design, Soziologie, Ökonomie oder Kunstgeschichte.
Die Themen waren einerseits die Voraussetzungen für Architektur, Design und Gestaltung sowie deren Folgen für die Gesellschaft auf der anderen Seite. In den Fragen und Formeln: Wer plant die Planung?, Warum ist Landschaft schön?, Design ist unsichtbar, Durch Pflege zerstört oder Der kleinstmögliche Eingriff fasste er seine Beobachtungen und Erkenntnisse zusammen und fand in den 1980er Jahren für sein Fach einen Namen: Spaziergangswissenschaft, Promenadologie oder englisch auch Strollology. Vielen Studentinnen und Studenten – nicht nur aus den entwerfenden Fächern – eröffneten Annemarie und Lucius neue Perspektiven. In Kassel hinterließen sie mit zahlreichen Projekten wie z.B. der „documenta urbana – sichtbarmachen“ 1982 oder mit „Die Fahrt nach Tahiti“ 1987 in der Kasseler Dönche viele Spuren. Lucius Burckhardt: „Bestimmte Perspektiven kann man wohl nur durch Kunst vermitteln, da die Beschränkung des Blickes heute so weit verbreitet ist, dass die Leute kaum mehr die Distanz haben, sie aufzuheben. Das kann nur die Kunst vermitteln, ohne belehrend oder verletzend zu sein.“
Das Studium in diesem Bereich vermittelt die vielfältigen und komplexen Themen dieses Lebenswerkes, fragt nach der Bedeutung für die Gestaltung in unserer Gegenwart und soll die Gedanken von Annemarie & Lucius Burckhardt in Seminaren und Projekten weiterentwickeln. Darüber hinaus wird in unregelmäßigen Zeitabständen eine Lucius Burckhardt-Convention einberufen, ganztägige internationale Symposien mit Vorträgen von Gästen, die bei den Burckhardts gelernt, sich intensiv mit dem Leben und Werk beschäftigt haben oder deren Arbeit sich in einer gedanklichen Nähe befindet und zu einer Weiterentwicklung beiträgt, wie die 1. Lucius Burckhardt-Convention am 17. Mai 2014 und die 2. Lucius Burckhardt-Convention am 17. Juni 2017 in der Kunsthochschule Kassel.
Das Fachgebiet wird vertreten von der Honorarprofessor Martin Schmitz
Weitere Infos: www.lucius-burckhardt.org